Frank R. sorgte vor und gab auf sich acht. Für ein Notfallbesäufnis - Zahnschmerzen am Wochenende, Bürgerkrieg, Asteroideneinschlagapokalypse - hatte er immer genügend Schnaps im Hause. Auch entsprechende Notfallübungen führte er regelmäßig durch.
Er hatte nichts zu tun und ließ einen Furz. Es war ein guter Furz: kraftvoll, aber unaufgeregt, von trockener Konsistenz und kerniger Würze. Er hatte weiterhin nichts zu tun und wartete auf den nächsten Furz.
Sonntag, 24. Februar 2019
Sonntag, 17. Februar 2019
Die Angestellten genießen ihre Gnadenfrist mit dem bald in Rente gehenden, berufsmüden und altersmilden Geschäftsführer Dr. Hans P. Die potentiellen Nachfolger, allesamt eitle Ehrgeizlinge, beziehen bereits Stellung.
Als die neue Bereichsleiterin Larissa L. einen Nervenzusammenbruch erlitt, lachte der Vorarbeiter Karsten 'Kralle' R. sich schlapp, weil er sich an seine Schulzeit erinnert fühlte, wo sie die Referendarinnen da immer so fies fertig gemacht hatten.
Ihre innere Härte und emotionale Kälte verzögerten ihren Alterungsprozess. Mit einer nahezu pathologischen Genugtuung betrachtete sie den körperlichen Verfall ihres einst so stolzen und herrischen Mannes.
Auch wenn es für ihn wohl die Arbeitslosigkeit bedeutet, betrachtet der Lohnbuchhalter Uwe W. den sich abzeichnenden Niedergang der Firma mit diebischer Freude. Gefangen in Frustration und Lethargie ist ihm inzwischen jede Art von Veränderung in seinem Leben willkommen.
Als der Sachbearbeiter Jens P. dann statt des üblichen Familienfotos das Filmzitat "Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie sagen ..." als gerahmte Devise auf seinen Schreibtisch stellte, irritierte das Kollegen und Vorgesetzte unangenehm.
Da kann man wirklich nicht meckern, bemerkte Gisela L. angesichts der wirklich günstigen Preise. Misslaunig fühlte sie sich um ihr Meckern betrogen.
Er blieb auch im hohen Alter neugierig und aufmerksam, erkannte immer wieder Neues im vermeintlich Vertrauten. Das meiste gefiel ihm nicht, aber er blieb dran, er bewahrte sich seine Würde.
Statt mit Alkohol solle er sich doch mal für die überstandene Arbeitswoche mit etwas anderem belohnen. Alles, was diese nichtsnutzigen Narren ihm ernsthaft als Alternative vorschlugen, kränkte ihn zutiefst in seiner Ehre.
Mit 16 flog Kai von der Schule, in keinem Job hielt er sich länger als 3 Monate, seine Ex hat ein Kontaktverbot erwirkt und seine Tochter will nichts von ihm wissen, in 8 Lokalen hat er Hausverbot. So langsam fragt sich Kai echt, was mit all den Leuten eigentlich nicht stimmt.
Joely O. hatte den Minimalismus-Lifestyle für sich entdeckt. In ihrer privilegierten Position war es kein Problem für ihre Eltern, auch bei dieser spätpubertären Phase gelassen zu bleiben und ihr nachher wieder Kleiderschrank und Wohnung großzügig zu füllen.
Gelegentlich, in ganz besonderen, spirituellen Momenten, nach einem dreiviertel Liter Wodka etwa spürt Ludwig W., den Blick gen Himmel gerichtet, dass irgendwo da draußen eine große, eine unermesslich große Gleichgültigkeit im Gange ist.
Als die neue Bereichsleiterin Larissa L. einen Nervenzusammenbruch erlitt, lachte der Vorarbeiter Karsten 'Kralle' R. sich schlapp, weil er sich an seine Schulzeit erinnert fühlte, wo sie die Referendarinnen da immer so fies fertig gemacht hatten.
Ihre innere Härte und emotionale Kälte verzögerten ihren Alterungsprozess. Mit einer nahezu pathologischen Genugtuung betrachtete sie den körperlichen Verfall ihres einst so stolzen und herrischen Mannes.
Auch wenn es für ihn wohl die Arbeitslosigkeit bedeutet, betrachtet der Lohnbuchhalter Uwe W. den sich abzeichnenden Niedergang der Firma mit diebischer Freude. Gefangen in Frustration und Lethargie ist ihm inzwischen jede Art von Veränderung in seinem Leben willkommen.
Als der Sachbearbeiter Jens P. dann statt des üblichen Familienfotos das Filmzitat "Sie haben das Recht zu schweigen. Alles, was Sie sagen ..." als gerahmte Devise auf seinen Schreibtisch stellte, irritierte das Kollegen und Vorgesetzte unangenehm.
Da kann man wirklich nicht meckern, bemerkte Gisela L. angesichts der wirklich günstigen Preise. Misslaunig fühlte sie sich um ihr Meckern betrogen.
Er blieb auch im hohen Alter neugierig und aufmerksam, erkannte immer wieder Neues im vermeintlich Vertrauten. Das meiste gefiel ihm nicht, aber er blieb dran, er bewahrte sich seine Würde.
Statt mit Alkohol solle er sich doch mal für die überstandene Arbeitswoche mit etwas anderem belohnen. Alles, was diese nichtsnutzigen Narren ihm ernsthaft als Alternative vorschlugen, kränkte ihn zutiefst in seiner Ehre.
Mit 16 flog Kai von der Schule, in keinem Job hielt er sich länger als 3 Monate, seine Ex hat ein Kontaktverbot erwirkt und seine Tochter will nichts von ihm wissen, in 8 Lokalen hat er Hausverbot. So langsam fragt sich Kai echt, was mit all den Leuten eigentlich nicht stimmt.
Joely O. hatte den Minimalismus-Lifestyle für sich entdeckt. In ihrer privilegierten Position war es kein Problem für ihre Eltern, auch bei dieser spätpubertären Phase gelassen zu bleiben und ihr nachher wieder Kleiderschrank und Wohnung großzügig zu füllen.
Gelegentlich, in ganz besonderen, spirituellen Momenten, nach einem dreiviertel Liter Wodka etwa spürt Ludwig W., den Blick gen Himmel gerichtet, dass irgendwo da draußen eine große, eine unermesslich große Gleichgültigkeit im Gange ist.
Sonntag, 10. Februar 2019
Seitdem Susanne S. an dem Info-Point arbeiten muss, selbstverständlich stets mit einladend vergnügter Miene, ist "Bitte, geh' weiter - bitte, bitte, geh' einfach weiter!" ihr am häufigsten gedachter Wunsch.
Hartmut R. steckt fest in seinem bürgerlichen Sicherheitsbedürfnis, in finanziellen Verpflichtungen und einem Beruf, der ihm nur noch auf den Sack geht. Als er neulich seinen Unmut über seine Situation äußerte, hieß es, er jammere auf hohem Niveau.
Herr S. vermisst die Zeit, als das soziale Miteinander in Deutschland noch vornehmlich rational statt emotional geprägt war.
All die enttäuschten und gequälten Gesichter bei den Besuchern im neu eröffneten Shopping-Paradies haben nichts zu bedeuten, die Leute sehen immer so aus.
Hartmut R. steckt fest in seinem bürgerlichen Sicherheitsbedürfnis, in finanziellen Verpflichtungen und einem Beruf, der ihm nur noch auf den Sack geht. Als er neulich seinen Unmut über seine Situation äußerte, hieß es, er jammere auf hohem Niveau.
Herr S. vermisst die Zeit, als das soziale Miteinander in Deutschland noch vornehmlich rational statt emotional geprägt war.
All die enttäuschten und gequälten Gesichter bei den Besuchern im neu eröffneten Shopping-Paradies haben nichts zu bedeuten, die Leute sehen immer so aus.
Sonntag, 3. Februar 2019
Um seine Arbeitslosigkeit zu verbergen, ging er wochentags stets mit Sicherheitsschuhen und Arbeitshose aus dem Haus. Die Täuschung half ihm ein wenig bei der Aufrechterhaltung seiner Würde. Beim Jobcenter hieß es, er sei ja nun leider schon 53.
Es fühlt sich gut an, freundlich und höflich zu sein. Vor allem gegenüber jemanden, der es von sich aus nicht ist.
Das einzige, was er in Zusammenhang mit seiner Arbeit noch mit ernsthaftem Engagement und freudiger Erregung angeht, ist die Planung und Durchführung seiner Urlaubstage.
Sie liebte den Luxus nicht, er war ihr schon längst selbstverständlich.
Er wünscht sich ein Job-Downgrade: eine stupide Tätigkeit ohne Verantwortung und ohne Kundenkontakt, um auch während der Arbeitszeit gedankenversunken mehr bei sich sein zu können.
Herr P. hatte bei der Arbeit eine meisterhafte Perfektion darin entwickelt, jede noch so harmlose Erkältung durch theatralisches Husten, Schnäuzen und Seufzen so in Szene zu setzen, dass seine Opferbereitschaft für den Betrieb über jeden Zweifel erhaben war.
Berthold W. war nun mal geräuschempfindlich und so suchte er nach einer Wohnung mit ausschließlich toten Nachbarn.
Es fühlt sich gut an, freundlich und höflich zu sein. Vor allem gegenüber jemanden, der es von sich aus nicht ist.
Das einzige, was er in Zusammenhang mit seiner Arbeit noch mit ernsthaftem Engagement und freudiger Erregung angeht, ist die Planung und Durchführung seiner Urlaubstage.
Sie liebte den Luxus nicht, er war ihr schon längst selbstverständlich.
Er wünscht sich ein Job-Downgrade: eine stupide Tätigkeit ohne Verantwortung und ohne Kundenkontakt, um auch während der Arbeitszeit gedankenversunken mehr bei sich sein zu können.
Herr P. hatte bei der Arbeit eine meisterhafte Perfektion darin entwickelt, jede noch so harmlose Erkältung durch theatralisches Husten, Schnäuzen und Seufzen so in Szene zu setzen, dass seine Opferbereitschaft für den Betrieb über jeden Zweifel erhaben war.
Berthold W. war nun mal geräuschempfindlich und so suchte er nach einer Wohnung mit ausschließlich toten Nachbarn.
Sonntag, 27. Januar 2019
Seit 3 Wochen sind sie ein Paar und sie redet ihm zu viel. Aus Höflichkeit mimt er den Zuhörer. Und aus sexuellen Gründen. Vor allem aus sexuellen Gründen. Nun ja, im Grunde nur aus sexuellen Gründen.
Um der Sache wieder mehr Pep zu verleihen und so an den Übertragungsrechten noch mehr zu verdienen, werden einige ausgewählte Trainer und Spieler von Mediencoaches nun darauf getrimmt, obszöne, beleidigende und sexistische Äußerungen in die Kamera zu blöken.
Die heiße Dusche ist für ihn jedes Mal so ein sinnliches Erlebnis, dass er dabei immer wieder vergisst, ob er seine Haare bereits gewaschen hat oder noch nicht.
Sie scheut sich, ihm zu sagen, dass sie ihn nicht wirklich liebt und redet nervös drumherum. Dass sein Honigpfötchen in seiner Gegenwart immer noch so unsicher und aufgekratzt ist, findet er richtig süß und erfüllt ihn mit Stolz.
Um der Sache wieder mehr Pep zu verleihen und so an den Übertragungsrechten noch mehr zu verdienen, werden einige ausgewählte Trainer und Spieler von Mediencoaches nun darauf getrimmt, obszöne, beleidigende und sexistische Äußerungen in die Kamera zu blöken.
Die heiße Dusche ist für ihn jedes Mal so ein sinnliches Erlebnis, dass er dabei immer wieder vergisst, ob er seine Haare bereits gewaschen hat oder noch nicht.
Sie scheut sich, ihm zu sagen, dass sie ihn nicht wirklich liebt und redet nervös drumherum. Dass sein Honigpfötchen in seiner Gegenwart immer noch so unsicher und aufgekratzt ist, findet er richtig süß und erfüllt ihn mit Stolz.
Sonntag, 20. Januar 2019
Als Herr S. beim Durchblättern einiger Bücher die Textpassagen, die er als junger Mann angestrichen hatte, nochmal las und damit so gar nichts mehr anfangen konnte, beruhigte ihn das.
Mit seinem allein auf Eitelkeit beruhenden Ehrgeiz machte er bislang mehr kaputt, als er erreichte. Zunächst privat, dann auch beruflich. Seit neuestem zieht es ihn in die Politik.
Nichts an seinem im Grunde lachhaften Arbeitsplatz war es wert, dass er sich deswegen aufregen und schlecht fühlen müsste. Mit dieser herausfordernden Einsicht etablierte er nach und nach ein stoisches Gemüt.
Die Mehrheit ertrug er nicht und das irgendwie Besondere, wonach er sich ohne konkrete Vorstellung so sehr sehnte, fand er nicht.
Seine vulgäre Ausdrucksweise und sein aggressives Auftreten wiesen schon früh auf eine gut ausgeprägte Anpassungsfähigkeit hin. Sein Vater war stolz auf ihn und überzeugt von seiner Lebenstüchtigkeit.
Wild entschlossen, sein Leben zu ändern, legte er sich erst mal einen neuen Haarschnitt und eine neue Garderobe zu. Als die Reaktionen darauf nur äußerst verhalten ausfielen, wusste er auch nicht weiter.
Gefangen in seinem Selbsthass konnte er selbst als alter Mann sich die Peinlichkeiten seiner Adoleszenz nicht verzeihen. Und dafür hasste er sich erst recht.
Dann ließ seine körperliche Verfassung keinen Alkohol mehr zu und verdarb ihm den Rausch. Nach einer Phase des Trotzes und Aufruhrs gewöhnte sich sein Geist an den Verzicht, da er die Autorität und Klugheit des Körpers letztlich doch anerkannte.
Mit seinem allein auf Eitelkeit beruhenden Ehrgeiz machte er bislang mehr kaputt, als er erreichte. Zunächst privat, dann auch beruflich. Seit neuestem zieht es ihn in die Politik.
Nichts an seinem im Grunde lachhaften Arbeitsplatz war es wert, dass er sich deswegen aufregen und schlecht fühlen müsste. Mit dieser herausfordernden Einsicht etablierte er nach und nach ein stoisches Gemüt.
Die Mehrheit ertrug er nicht und das irgendwie Besondere, wonach er sich ohne konkrete Vorstellung so sehr sehnte, fand er nicht.
Seine vulgäre Ausdrucksweise und sein aggressives Auftreten wiesen schon früh auf eine gut ausgeprägte Anpassungsfähigkeit hin. Sein Vater war stolz auf ihn und überzeugt von seiner Lebenstüchtigkeit.
Wild entschlossen, sein Leben zu ändern, legte er sich erst mal einen neuen Haarschnitt und eine neue Garderobe zu. Als die Reaktionen darauf nur äußerst verhalten ausfielen, wusste er auch nicht weiter.
Gefangen in seinem Selbsthass konnte er selbst als alter Mann sich die Peinlichkeiten seiner Adoleszenz nicht verzeihen. Und dafür hasste er sich erst recht.
Dann ließ seine körperliche Verfassung keinen Alkohol mehr zu und verdarb ihm den Rausch. Nach einer Phase des Trotzes und Aufruhrs gewöhnte sich sein Geist an den Verzicht, da er die Autorität und Klugheit des Körpers letztlich doch anerkannte.
Sonntag, 13. Januar 2019
Stets bedacht auf den eigenen Vorteil war er voll des euphorischen Lobes für alles und jeden. Beliebt war er, außerordentlich beliebt, selbst bei denen, die ihn durchschauten.
Zunehmend bekommt man es auch von "Erwachsenen" zu hören: DER HAT ABER ANGEFANGEN!
Als er nach einer äußerst ausschweifenden Jugend mit Anfang 30 gerade noch so die Kurve bekam, wurde aus ihm schnell ein erzkonservativer, belehrender, unerträglicher Philister. Sein Vater freute sich sehr, dass der Betrieb nun doch in der Familie blieb, die Angestellten weniger.
Sein stets zynischer Humor bescherte ihm fragwürdige Freunde.
Das gewitzte Fragezeichen amüsiert sich prächtig über das borniert stolze Ausrufezeichen, das wieder mal auf verlorenem Posten steht.
Als Ansprechpartner vor Ort muss er es ausbaden und wird dafür auch noch schlecht bezahlt. Seine eingeschüchterte Frau vermisst sein freundliches und sanftes Wesen von früher sehr.
Einige Jahre lang fiel auch sie auf diverse Matratzen-Wissenschafts-Philosophien hinein. Dann begriff sie, dass "bequem" die Lösung ist; es sei denn, man hat ganz andere Probleme.
Zunehmend bekommt man es auch von "Erwachsenen" zu hören: DER HAT ABER ANGEFANGEN!
Als er nach einer äußerst ausschweifenden Jugend mit Anfang 30 gerade noch so die Kurve bekam, wurde aus ihm schnell ein erzkonservativer, belehrender, unerträglicher Philister. Sein Vater freute sich sehr, dass der Betrieb nun doch in der Familie blieb, die Angestellten weniger.
Sein stets zynischer Humor bescherte ihm fragwürdige Freunde.
Das gewitzte Fragezeichen amüsiert sich prächtig über das borniert stolze Ausrufezeichen, das wieder mal auf verlorenem Posten steht.
Als Ansprechpartner vor Ort muss er es ausbaden und wird dafür auch noch schlecht bezahlt. Seine eingeschüchterte Frau vermisst sein freundliches und sanftes Wesen von früher sehr.
Einige Jahre lang fiel auch sie auf diverse Matratzen-Wissenschafts-Philosophien hinein. Dann begriff sie, dass "bequem" die Lösung ist; es sei denn, man hat ganz andere Probleme.
Sonntag, 6. Januar 2019
Je seltener die Gelegenheiten zum Musikhören wurden, desto mehr investierte er in seine High-End-HiFi-Ausstattung. Voller Wehmut betrachtete er sie dann.
In seiner Erinnerung war das Schlafzimmer seiner Eltern stets frisch durchlüftet und eiskalt. Von Sinnlichkeit keine Spur.
Die vorgefertigt kaputte Jeanshose erzählt dem aufmerksamen Betrachter eine abenteuerliche Geschichte voller Action und Entbehrungen. Der harmlose Hosenträger wird zum Held.
Hanna H. tat so, als würde auch sie sich über die haarsträubende Inkompetenz ihres Abteilungsleiters aufregen. Dabei hatte sie längst erkannt, wie viele Freiheiten ihr diese Inkompetenz ermöglichte.
Selbst als junger Mann trank er nicht, um zu feiern. Bedeutung und Sinn des Feierns hatten sich ihm noch nie so recht erschlossen. Er trank, um sich besser zu fühlen.
In der Leichtfertigkeit und Kühnheit der Gedanken lag für ihn die Attraktivität des Alkohols. Aber meistens endete es einfach nur im Stumpfsinn.
Das an Sonn- und Feiertagen sentimental seichte Fernsehprogramm für die Alten und Alleingelassenen fand langsam auch bei ihm Anklang. Tja, das war's dann wohl, dachte er und drückte sich noch ein Toffifee aus der Verpackung.
In seiner Erinnerung war das Schlafzimmer seiner Eltern stets frisch durchlüftet und eiskalt. Von Sinnlichkeit keine Spur.
Die vorgefertigt kaputte Jeanshose erzählt dem aufmerksamen Betrachter eine abenteuerliche Geschichte voller Action und Entbehrungen. Der harmlose Hosenträger wird zum Held.
Hanna H. tat so, als würde auch sie sich über die haarsträubende Inkompetenz ihres Abteilungsleiters aufregen. Dabei hatte sie längst erkannt, wie viele Freiheiten ihr diese Inkompetenz ermöglichte.
Selbst als junger Mann trank er nicht, um zu feiern. Bedeutung und Sinn des Feierns hatten sich ihm noch nie so recht erschlossen. Er trank, um sich besser zu fühlen.
In der Leichtfertigkeit und Kühnheit der Gedanken lag für ihn die Attraktivität des Alkohols. Aber meistens endete es einfach nur im Stumpfsinn.
Das an Sonn- und Feiertagen sentimental seichte Fernsehprogramm für die Alten und Alleingelassenen fand langsam auch bei ihm Anklang. Tja, das war's dann wohl, dachte er und drückte sich noch ein Toffifee aus der Verpackung.
Sonntag, 30. Dezember 2018
In seiner Berufsmüdigkeit war er nur noch darauf bedacht, den Arbeitstag möglichst unbehelligt runterzuspulen. Immerhin bot ihm das naive Karrieregeschwätz der jungen Ehrgeizlinge ab und an noch einen Anlass für ein herzhaftes Lachen.
Angetrunken am Stammtisch sprach er es aus: Er denke an eine dankbare Asiatin aus dem Katalog, er sei kein Monster, aber nun mal so beschissen einsam. Sie lachten ihn aus und ermunterten ihn und er bereute seine Anwesenheit.
Auch er war gegen Zahnschmerzen und Blinddarmentzündungen und wollte das einfach mal unmissverständlich auf ein T-Shirt gedruckt seiner Umgebung mitteilen.
Angetrunken am Stammtisch sprach er es aus: Er denke an eine dankbare Asiatin aus dem Katalog, er sei kein Monster, aber nun mal so beschissen einsam. Sie lachten ihn aus und ermunterten ihn und er bereute seine Anwesenheit.
Auch er war gegen Zahnschmerzen und Blinddarmentzündungen und wollte das einfach mal unmissverständlich auf ein T-Shirt gedruckt seiner Umgebung mitteilen.
Sonntag, 23. Dezember 2018
Sein sensibles Wesen hockte ängstlich hinter seinem einschüchternd grobschlächtigen Äußeren. Im Dorf galt er gemeinhin als der unberechenbare Irre und mit unverhohlener Aversion hielt man Abstand. Irgendwann erfüllte er dann ihre Erwartung.
Um bei der Arbeit beliebt und unangreifbar zu sein, meinte Hans-Jürgen H., bei jeder Gelegenheit besonders witzig und geistreich daherkommen zu müssen. Zuhause mit der Familie lief's für ihn gerade auch nicht besonders rund.
Als sie sich für seinen hervorgepulten Ohrenschmalzpfropf genauso interessiert und begeistert zeigte wie er selbst, kam ihm plötzlich der Verdacht, dass sie vielleicht doch nicht immer ganz ehrlich zu ihm ist. Der Termin beim Notar war in 2 Tagen.
Es wurde ihm einfach alles zu viel. Er wollte nur noch in aller Ruhe auf dem Sofa liegen, die Wand anstarren und mal gründlich über sein Leben nachdenken. Als er dann genau das tat, musste er feststellen, dass er sich irgendwie mehr davon versprochen hatte.
Sie glorifizierten die Abstinenz, sprachen von Erlösung. Da wollte auch er dem Alkohol nun völlig entsagen. Nach 5 Wochen war er dann reichlich ernüchtert von der Nüchternheit und goss sich zum Wochenende mal wieder einen ein.
Und so fragte er sich irgendwann, was seine Depression eigentlich so richtig befeuert: die Vergeblichkeit seines Tuns oder aber sein Nichtstun?
Herr S. beneidet alte Menschen um die soziale Akzeptanz ihrer Langsamkeit.
Um bei der Arbeit beliebt und unangreifbar zu sein, meinte Hans-Jürgen H., bei jeder Gelegenheit besonders witzig und geistreich daherkommen zu müssen. Zuhause mit der Familie lief's für ihn gerade auch nicht besonders rund.
Als sie sich für seinen hervorgepulten Ohrenschmalzpfropf genauso interessiert und begeistert zeigte wie er selbst, kam ihm plötzlich der Verdacht, dass sie vielleicht doch nicht immer ganz ehrlich zu ihm ist. Der Termin beim Notar war in 2 Tagen.
Es wurde ihm einfach alles zu viel. Er wollte nur noch in aller Ruhe auf dem Sofa liegen, die Wand anstarren und mal gründlich über sein Leben nachdenken. Als er dann genau das tat, musste er feststellen, dass er sich irgendwie mehr davon versprochen hatte.
Sie glorifizierten die Abstinenz, sprachen von Erlösung. Da wollte auch er dem Alkohol nun völlig entsagen. Nach 5 Wochen war er dann reichlich ernüchtert von der Nüchternheit und goss sich zum Wochenende mal wieder einen ein.
Und so fragte er sich irgendwann, was seine Depression eigentlich so richtig befeuert: die Vergeblichkeit seines Tuns oder aber sein Nichtstun?
Herr S. beneidet alte Menschen um die soziale Akzeptanz ihrer Langsamkeit.
Sonntag, 16. Dezember 2018
Er war jetzt Mitte 50 und fühlte sich ausgebrannt. Das einzige, was er sich noch für seine Arbeit wünschte, war, ein paar liebgewonnene Routinen beibehalten zu dürfen. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.
Ein vorlautes Verb belebt den Satz; ein konformistisches Adjektiv killt ihn.
Die Behauptung, er reinige den mit Haaren und Schmodder verklebten Ausguss ganz bewusst nicht, können doch so keine Spinnen mehr daraus hervorklettern, funktioniert auch bei seiner neuen Freundin ziemlich gut.
Der konservative Sparer Heinz K. stellt sich oft vor, dass seine Wohnung in seiner Abwesenheit komplett ausbrennt. So vergegenwärtigt er sich, dass alles wirklich Wichtige sich in seinem Kopf und auf seinem Bankkonto befindet.
Ihre Lieblingsfloskel „Is' mir doch egal“ gebrauchte Carmen K. auch noch im Erwachsenenalter gern und oft. Dass sie weder beruflich noch gesellschaftlich besonders erfolgreich war, war ihr doch egal.
Er gehört dem Arbeitsmarkt, getrieben von einer Befristung zur nächsten. Das günstige Provisorium ist sein Zuhause und die Sehnsucht nach einer Geborgenheit, von der er nur noch eine vage Vorstellung hat, quält ihn in seiner Einsamkeit.
Dass das "eigentliche" Problem immer woanders liegen soll, irgendwo "tiefer", hielt der hemdsärmelige Pragmatiker Ulf P. für eine billige Ausrede, ein bequemes Ausweichen. Als eingefleischter Junggeselle hatte er natürlich keinen blassen Schimmer.
Nach getaner Arbeit kam er heim, redete von der Arbeit und dann war Schlafenszeit. Ihre Wochenenden verstrichen zäh in ratloser Lethargie und giftigem Schweigen.
Ein vorlautes Verb belebt den Satz; ein konformistisches Adjektiv killt ihn.
Die Behauptung, er reinige den mit Haaren und Schmodder verklebten Ausguss ganz bewusst nicht, können doch so keine Spinnen mehr daraus hervorklettern, funktioniert auch bei seiner neuen Freundin ziemlich gut.
Der konservative Sparer Heinz K. stellt sich oft vor, dass seine Wohnung in seiner Abwesenheit komplett ausbrennt. So vergegenwärtigt er sich, dass alles wirklich Wichtige sich in seinem Kopf und auf seinem Bankkonto befindet.
Ihre Lieblingsfloskel „Is' mir doch egal“ gebrauchte Carmen K. auch noch im Erwachsenenalter gern und oft. Dass sie weder beruflich noch gesellschaftlich besonders erfolgreich war, war ihr doch egal.
Er gehört dem Arbeitsmarkt, getrieben von einer Befristung zur nächsten. Das günstige Provisorium ist sein Zuhause und die Sehnsucht nach einer Geborgenheit, von der er nur noch eine vage Vorstellung hat, quält ihn in seiner Einsamkeit.
Dass das "eigentliche" Problem immer woanders liegen soll, irgendwo "tiefer", hielt der hemdsärmelige Pragmatiker Ulf P. für eine billige Ausrede, ein bequemes Ausweichen. Als eingefleischter Junggeselle hatte er natürlich keinen blassen Schimmer.
Nach getaner Arbeit kam er heim, redete von der Arbeit und dann war Schlafenszeit. Ihre Wochenenden verstrichen zäh in ratloser Lethargie und giftigem Schweigen.
Sonntag, 9. Dezember 2018
Wohlhabend war er jetzt, sein Leben gediegen und geordnet. Ein Zuviel an Kaffee war die einzige Ausschweifung, der er sich - vornehmlich am Wochenende - noch hingab. Aber auch das stellte ihm sein empfindlich gewordener Magen stetig höher in Rechnung.
Als Wochenendalkoholiker bestimmte weniger der Alkohol an sich sein Leben als vielmehr der Gedanke an ihn. Freitag war der einzige Tag, an dem er zumindest halbwegs guten Mutes die Arbeitszeit runterratterte.
Die Toiletten in den Clubs waren ihm schon immer ein Gräuel gewesen. Er eilte nach Hause und pisste wonnevoll in die heimische Kloschüssel: Abschluss und emotionaler Höhepunkt seiner Samstagnacht.
So viele Nachbarn überall haben ihre körperliche Unversehrtheit oder gar ihr Leben OHROPAX® zu verdanken. Und sie haben nicht einmal den leisesten Schimmer.
Mit Alkohol sterilisierte er sein Hirn bis zur Bewusstlosigkeit. Am nächsten Tag waren die Erreger wieder da und nervten.
Als Wochenendalkoholiker bestimmte weniger der Alkohol an sich sein Leben als vielmehr der Gedanke an ihn. Freitag war der einzige Tag, an dem er zumindest halbwegs guten Mutes die Arbeitszeit runterratterte.
Die Toiletten in den Clubs waren ihm schon immer ein Gräuel gewesen. Er eilte nach Hause und pisste wonnevoll in die heimische Kloschüssel: Abschluss und emotionaler Höhepunkt seiner Samstagnacht.
So viele Nachbarn überall haben ihre körperliche Unversehrtheit oder gar ihr Leben OHROPAX® zu verdanken. Und sie haben nicht einmal den leisesten Schimmer.
Mit Alkohol sterilisierte er sein Hirn bis zur Bewusstlosigkeit. Am nächsten Tag waren die Erreger wieder da und nervten.
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