Sie reden davon, wie sie es sich schön machen, ständig reden sie davon: schön ausschlafen, schön frühstücken, schön spazieren gehen, schön essen gehen, schön Kaffee trinken … Es fällt ihm schon schwer ihnen zuzuhören, müsste er ihr Leben führen, wäre das die Hölle für ihn.
Ein Leben in Sicherheit und Wohlstand, Lebensphasen als Gedankenspiele, nichts Ernstes, nichts von Bedeutung.
Der Nachbar unter ihm war so Mitte, Ende 40, lebte von Sozialhilfe, machte die Nacht zum Tage, hörte Musik, soff, vögelte mit seiner Freundin so lauthals, wie er mit ihr stritt. Hörte man ihn reden, war schnell klar, dass er dumm war. Aber irgendwo hatte er ja recht.
Wein mochte er nicht und beim Schnaps wurde er zu oft vom Rausch überrannt. Bier war besser. Wenn's ging, hielt er sich ans Bier. Ihm gefiel auch das Bodenständige daran. Bier sei 'ne ehrliche Sache, sagte er immer, ganz im Gegensatz zum Menschen. Und so hielt er sich ans Bier.
Er war nicht der geborene Verlierer; das hat er im Lauf der Zeit schon gut selber hingekriegt.
Ranklotzen musste er, sich stressen lassen, seine Zeit opfern. Damit er sich irgendeinen Scheiß kaufen konnte. Damit er sich in einer zweifelhaften Sicherheit wiegen konnte. Vor allem aber damit er sich irgendeinen Scheiß kaufen konnte.
Irgendwie fand er, dass sie von Tag zu Tag mehr und mehr Blödsinn redete. Er begehrte sie weiterhin, wägte aber schon ab, rechnete nach.