Jegliches Begeistertsein widerstrebte ihm, überforderte ihn. Das begeisterungslose Leben war ihm das einzig mögliche.
Mit Leuten, die das Leben genießen, es SCHÖN finden, die wegen allem gleich aus dem Häuschen sind, möchte er nichts zu tun haben – womöglich sind die auch noch ansteckend.
In einem stickigen Provinztheater zu sitzen, Blähungen zu unterdrücken und wieder und wieder verstohlen auf die Uhr zu schauen: Das entsprach nun seit vielen Jahren seinem Lebensgefühl; beruflich wie familiär.
Man sollte nicht zu viel von den Mitmenschen erwarten, dass sie einem etwa nichts vormachen oder dass sie nicht vorrangig an sich selbst denken oder dass sie gütig sind oder was auch immer. Am klügsten ist's, man erwartet erstmal – und auch langfristig – gar nichts von ihnen.
Er ging da hin, leierte seine Arbeit runter und ging wieder weg. Da irgendeine Bedeutsamkeit zu sehen oder gar eine Berufung oder Leidenschaft, eine Bestimmung womöglich, das kam ihm nie in den Sinn, auch wenn sie's versuchten, ihm immer wieder ankamen mit diesem Blödsinn.
In seinem Kalender hakte er Arbeitstag für Arbeitstag ab, so ging dann Woche für Woche rum. Und an den Wochenenden war's im Grunde auch nicht viel anders. Manchmal gab ihm das schon zu denken, im Großen und Ganzen aber nicht.
Bei der Arbeit hatte er nichts zu melden, unterwarf er sich auch nur zu bereitwillig. Dafür spielte er sich dann woanders auf, gern in Ladengeschäften, Cafés oder Restaurants, stutze in seiner herrischen Art Angestellte zurecht, ließ seiner kleingeistigen Wut freien Lauf.
Tatsächlich beruhte seine Selbstsicherheit auf seiner Selbstsicherheit, mehr war da nicht.
So etwas wie eine Sozialverträglichkeit entwickelte er dann im Alter, als er schließlich genug hatte von den Menschen und nur noch fürs Nötigste raus ging und sich um seinen eigenen Kram kümmerte, sofern er sich überhaupt um was kümmerte.