Früher hatte er Ambitionen, jetzt hat er Routinen, dreht seine Runden in seiner kleinen Welt, macht sich nichts mehr vor; sieht dafür nun umso mehr im Unspektakulären, Alltäglichen, weiß um sein stilles Glück.
Er war 'ne Arschgeige. Sie 'ne Gewitterziege. Und ihr Sohn und ihre beiden Töchter, das waren zweifelsohne ihre Nachkommen. Allesamt kamen sie nicht los voneinander, hockten ewig beisammen, brüllten und gifteten sich an. Weil's das Normalste auf der Welt war.
Nun, was ihn betraf, so konnte er sagen, dass es ja nur seine Geilheit gewesen war, sein Verlangen nach ihrem Körper – und dann hatte er dann das Malheur. Was sie an ihm gefunden hatte, wusste er nicht. Sie hatten da ja nie drüber geredet, die ganzen 57 gemeinsamen Jahre nicht.
Er ist jetzt Ende 40, arbeitet irgendwo, wird langsam übergewichtig, wirkt abweisend, übellaunig, ist allein. Interessen hat er groß keine. Eine Zeit lang hat er mal DVDs gesammelt, die stehen jetzt im Wohnzimmer. Im Wandschrank. Was das alles überhaupt soll, weiß er auch nicht.
Und doch alles nur wieder so ein Tun für ein so oder so vertanes Leben.
Er sprach gehemmt, war gehemmt, wich auf Floskeln aus, kicherte verlegen. In seinem Kopf spielten sich derweil Dramen ab: Scheusale, die ihn beäugten, ihm ans Leder wollten, lauerten; der kleinste Fehler und er war erledigt. Er war halt so – und die Menschen doch im Grunde auch.
Er schlenderte gern durch die Warenhäuser. Nicht wegen der Waren. Die traurig heitere Absurdität des Ganzen gefiel ihm, die Atmosphäre der enttäuschten Erregung.
Immer wieder ließ er sich dann doch zum Kaufen verführen, knüpfte wider besseren Wissens irrsinnige Vorstellungen an profane Gebrauchsgüter. Meistens ging es dabei um Eitelkeit. Und im Grunde immer um Langeweile.