Morgens um 8 vorm REWE hatte er die erste Bierdose am Hals. Die Menschen mochten ihn nicht und er mochte die Menschen nicht. Einige Zeit hatte er gelebt wie sie, mit Kraftfahrzeug und Festanstellung. Aber auch da mochte er die Menschen schon nicht.
Nun, er wusste, wovon er sprach und konnte sich kurz fassen. Das war unüblich in der Branche. Und erfrischend. Eine üble Provokation.
Bei der Arbeit – insbesondere bei den Meetings, den Präsentationen, dem eitlen Getue – fühlt er sich mehr und mehr wie ein renitenter 12jähriger, der von den Eltern zum Sonntagsausflug herausgeputzt und mitgeschleift wird.
Die Freude, die er als Kind und auch noch als junger Mann erlebt hatte und er sich immer noch ersehnte, gab es aber nicht mehr. Es gab nur noch die Freude, Hindernisse zu überwinden oder Probleme zu lösen. Und dafür musste er arbeiten, es half alles nichts, er musste arbeiten.
Der Feierabend war ihm nun das Entscheidende am Arbeitstag und die Zeit bis dahin verkürzte er sich mittels der Arbeit. Und der naive Ehrgeiz der jungen Kollegen sorgte darüber hinaus für Erheiterung – so sollte es klappen, so sollte er die restlichen Jahre auch noch rumkriegen.
Bei der Arbeit konnten sie ihm alle mal am Arsch lecken. Und zu Hause auch. Das hatte sich so ergeben bei ihm, nach und nach so ergeben.
Sie redete und redete. Tiefer und tiefer redete sie sich in ihr Gerede hinein. Und jeden Tag war es wieder was anderes und dann doch immer das Gleiche.
Den Großteil des Lebens verbrachte er mit einer Arbeit, die ihm nie gefiel, und in einer Familie, deren Gründung er schon nach kurzer Zeit bitter bereut hatte. Sein Bruder war da ganz anders, ein Lebemann, ein Künstler, und dem ging es dann im Alter sogar noch dreckiger als ihm.