Die stellten mich tatsächlich ein und gleich in der ersten Woche musste ich auf der Facebookseite der Firma zu so einem Foto von mir die Behauptung aufstellen, dass ich mich auf die Arbeit freue. Was für eine verlogene Scheiße das doch alles war!
Er wohnt außerhalb, muss pendeln. Wie ein gefangenes Tier, das in einem ewigen Hin und Her seinen Käfig abschreitet, dachte er neulich auf dem Weg zur Frühschicht und die Bitterkeit des Vergleichs gefiel ihm – gefällt ihm immer noch. Es ist seine Art, sich zu wehren.
Er hielt sich für klug, klüger als die meisten, und war der festen Überzeugung, dass die Leute gut beraten wären, würden sie auf ihn hören. Dass die das aber nicht taten, trieb ihn regelmäßig zur Weißglut, machte ihn irre. Nein, der klügste war er nicht gerade, wirklich nicht.
Mit der Toleranz ist es doch aber so wie mit der Liebe: Sie verträgt keinen Imperativ.
Es war endlich der letzte Arbeitstag dieses Kollegen und er wünschte ihm alles Gute, obwohl das keineswegs stimmte. Er war entschlossen gewesen, es ihm nicht zu sagen und war nun doch eingeknickt und so langsam fürchtete er, dass die Falschheit ihn niemals loslassen wird.
Seine Frau hielt ihn auf Trab: Besorgungen machen, Wege erledigen, Sonderangebote, Reparaturen – immer wieder Kleinlichkeiten im Alltäglichen. "So kommt er mir nicht auf dumme Gedanken", scherzte sie. Er ließ es mit sich machen, hatte selber nichts mehr vor.
Nein, er misstraute ihm, der ganzen Partei misstraute er. Wie ja im Grunde inzwischen allen Politikern. Außer den Extremisten, den rechten wie den linken, denen misstraute er nicht, nur wählte er die ja auch nicht.
Wieder stellte er sich vor, er wirft am Wochenende seine alte HiFi-Anlage an, kippt jede Menge Bier und legt die alten Platten auf. Doch wusste er ja längst, dass es nicht mehr funktionierte. Dass sich die Zeit nicht zurückdrehen ließ, auch mit all den Accessoires nicht.
Er redete nicht viel und auf seine Untätigkeit war Verlass. Ein angenehmer Mensch, im Umgang entspannend, inspirierend. Warum eigentlich waren nicht mehr Menschen wie er, warum und für was waren die meisten nur immer so lebhaft, so emsig, so nervtötend?
In seinen Tagträumen war er bedeutsam, ein brillanter Geist, schlagfertig, witzig, großzügig, ein Frauenheld. Und da, wo er jetzt arbeitete, hatte er viel Zeit zum Träumen. Als hätte er sich diese Erwerbstätigkeit allein aus diesem Grund ausgesucht. Um seine Träume zu träumen.