Er war lebensmüde, nicht suizidgefährdet, einfach nur lebensmüde. Seine Frau verstand das nicht und machte ihm wieder mal irgendwelche Vorwürfe. Er winkte ab und legte sich auf die Couch. Er mochte die Couch – mehr als seine Frau. Aber auch darüber verlor er nie ein Wort.
Er ging zur Arbeit und machte sich nichts vor, sein Leben war wie ein Spiel um Platz 3: Es interessierte keinen und es ging um nichts, im Ganzen gesehen eine alberne und durch und durch ermüdende Angelegenheit.
Aber dieses sympathische, zustimmende Lachen schenkte sie ja jedem! Und auch noch zu so ziemlich allem! – Es ist eine Schande, ein Elend, man weiß nie, woran man bei den Menschen ist. Am ehesten noch bei den unangenehmen, den dummen und dreisten, die verstellen sich am wenigsten.
Das Parfüm, das er ihr schenkte, das er stets jeder Partnerin geschenkt hatte, war das Lieblingsparfüm seiner Mutter gewesen.
Nie käme er auf die Idee, dass er anderen vielleicht gerade auf die Nerven geht, nie fühlt er etwas anderes als sich selbst, stolz betrachtet er die Welt und, sofern überhaupt, verständnislos die Mitmenschen; ihm geht's gut, prächtig – ja, er könne nicht klagen, sagt er immer.
Er hat keine Meinung dazu, so wie immer, hält sich raus und das nehmen sie ihm übel im Kollegium. Er soll gefälligst mitmachen bei ihren Spielchen, ihren Allianzen, Intrigen. – Im Grunde wie in seiner Kindheit in der örtlichen Kinderbande, die sich im Krieg befand mit der Nachbardorfbande.
Seine Arbeit langweilte ihn, nervte ihn und er freute sich auf den Alkohol am Wochenende; so lang hielt er's immer noch aus. Und dann ging's wieder von vorn los. So hatte er sich's eingerichtet, so ertrug er's halbwegs. Er war nun mal kein Geistesmensch. Oder Familienmensch.
Er misstraut aber einer Sympathie, die in tönenden Worten bekundet wird. Nicht nur, dass sie wenig oder nichts aushält, schlägt sie doch auch schon mal gern beim geringsten Anlass in ihr Gegenteil um.