Schon kurz nach dem Hallo kamen sie dann wieder auf ihre Gebrechen und Krankheiten zu sprechen. Bei dem Thema fühlten sie sich am wohlsten.
Sie war hübsch und er machte sich Hoffnungen, Illusionen. Da ahnte er noch nichts von den rigiden Auswahlkriterien der Frauen, wusste er noch nicht, wo im Leben sein Platz war. Sein Glück, denn nach dem Schwelgen in Illusionen kam für ihn nicht mehr viel, im Grunde gar nichts.
Zeitlebens hatte er keine Freundin, keine Partnerin. Eine Zeit lang war er ins Bordell gegangen, immer zu der gleichen Frau, hatte sich für einige Minuten eine Umarmung gekauft, ein Beieinanderliegen. Keinen Sex, dazu kam es nicht, ihr war sofort klar gewesen, was er brauchte.
Sie redet und redet, erzählt ihm Belanglosigkeiten. Ohne Punkt und Komma. Ohne Pointe. Das Reden ist ihr ein Bedürfnis. Bevor sie ein Paar wurden, kannte er sie lange genug, er wusste, worauf er sich einließ und doch fühlt er sich nun um seine Zeit, um sein Leben betrogen.
Nicht nur die Kleidung, sein ganzes Auftreten war unangemessen – aufdringlich, schrill, er wollte Beachtung, Aufmerksamkeit. Und sein Thema, seine Botschaft, das war dann jedes Mal und schon immer er selbst.
Zu der Firmenfeier in der für den Abend angemieteten Rooftop-Eventlocation hatte man im Businesslook zu erscheinen. Er hasste alles daran, alles.
Er rotzt seinen Schleim auf den Bürgersteig, schneidet sich schon mal seine Fingernägel in der Regionalbahn, rülpst, weil er das witzig findet und lacht viel über andere. Sollten Sie ihm begegnen, so sagen und empfinden Sie am besten nichts.
Bei der Suche in dem Haushaltswarengeschäft befand er sich in der Nähe der Kasse und bekam so mit, dass die Kassiererin nach jedem Kassiervorgang jedem Kunden viel Freude mit der soeben erworbenen Haushaltsware wünschte. So dann auch ihm mit den zwei Topflappen.
Aber so lief das bei ihm schon ewig und drei Tage, die Aussicht auf die Wochenendsauferei half ihm über die Arbeitswoche und die Sauferei dann übers Wochenende.