Sonntag, 6. September 2026

 Manchmal fragte er sich, warum er denn nun wirklich immer noch seiner längst verhassten Arbeit nachging, verwarf die Frage aber jedes Mal gleich wieder, ging er doch im Grunde deswegen Tag für Tag ins Büro, weil abseits der Arbeit nichts mehr von ihm übrig war.


In jungen Jahren fand er das Leben aufregend und lustig. Schon allein deswegen ist er froh, nicht mehr jung zu sein.


Die alten Peinlichkeiten wurde er nicht mehr los. Immer wieder kamen sie hoch, fielen über ihn her, quälten ihn bis ins Mark. Und um neue Peinlichkeiten zu vermeiden, unterwarf er sich selbst einer strengen Wachsamkeit – verlieh den Peinlichkeiten noch größere Macht über sich.


Die Arbeitskollegen erzählen viel von ihren Freizeitaktivitäten. Manche haben richtige Hobbys. Er sitzt zuhause viel auf dem Sofa. Oder in der Küche. Isst was, denkt nach, trinkt ein Bier. Aber das erzählt er den Arbeitskollegen nicht. Im Grunde erzählt er ihnen nie irgendwas.


Bei der Arbeit hatte er ausnahmsweise mal einen guten Tag, wollte sich aber nicht drüber freuen. Wollte, dass es ihm egal war. Freude würde, genau wie Ärger, eine emotionale Bindung an die Arbeit bedeuten und das lehnte er ab, durfte ihm nicht passieren – nicht bei diesem Unfug.


Er läuft nie irgendwo nackt herum, nicht mal allein in seiner Wohnung, er kommt sich lächerlich vor mit diesem Pimmelmann da an sich dran. Nicht dass er unterdurchschnittlich bestückt wäre, nein, nein, aber 'n lächerlicher Pimmelmann bleibt nun mal 'n lächerlicher Pimmelmann.


Bei der Frage nach seinem Alkoholkonsum zögerte er. "Gelegentlich" – stimmte, "Regelmäßig" – stimmte auch. Also kreuzte er "Nie" an.


Er war in sich gekehrt, nachdenklich, empfindsam. Was er erlebte, verfolgte ihn oft lange Zeit und so ging er Vielem möglichst gleich aus dem Weg. Einige meinten, er sei zu nachgiebig, zu labil, zu feige – denn sie hatten ja keine Ahnung, keinen blassen Schimmer hatten sie.


Mitmachen, er solle mitmachen. Damit er nicht immer so einsam ist, sagten sie, damit er auch mal fröhlich ist. In Wahrheit wollten sie es natürlich in eigener Sache, wollten sich bestätigt sehen – duldeten sie keinen Sonderling in ihren Reihen.