Sonntag, 16. August 2026

 An seinem letzten Arbeitstag schenkten sie ihm eine Flasche Wein und eine Karte mit den Unterschriften des gesamten Kollegiums. In all den 38 Jahren hatte er nie jemandem gesagt, dass er Wein nicht ausstehen konnte. Und auch die Karte warf er noch auf dem Heimweg in den Müll.


Seine Scherze sorgten für peinliche Momente und für Witze fehlte ihm erst recht jegliches Talent, aber er konnte es nicht lassen. Sein, wie er sie immer nannte, Frauchen schämte sich für ihn. Nun, er war da weniger empfindlich, amüsierte sich, fühlte sich prächtig, sauwohl.


Auch sie kaufte dann zunehmend Öko- und Bioprodukte, Fair-Trade. Ohne davon wirklich überzeugt zu sein. Ihr ging es um die Exklusivität ihres Einkaufs, ihr gesellschaftliches Ansehen. Da, wo sie wohnte, war sie wer. 


Von den beiden war er der Fleißige, der Zuverlässige, und sein guter Ruf nahm ihn mehr und mehr in die Pflicht. So langsam wurmte ihn das und da wusste er nicht mal, dass sie sich ja auch über ihn das Maul zerrissen. Über was anderes eben. Seinen immer so mürrischen Blick etwa.


Nein, es geht nicht, ich kann nicht. Von Montag bis Freitag muss ich arbeiten. Am Samstag will ich dann für mich sein. Und am Sonntag bin ich depressiv. Vielleicht irgendwann mal.


Herrje, wie sie alle wieder meckern! Und dann die anderen wieder über die Meckerer meckern ...