Sonntag, 26. Juli 2026

 "Altes Brot ist nicht hart. Kein Brot, das ist hart." war der Lieblingsspruch seiner Mutter. Und als er 14 wurde, schenkte ihm sein Vater den gerahmten Spruch "Arbeit sei dir dreierlei: Nährer, Freudenbringer und Arznei!" und dübelte ihn ihm ins Kinderzimmer übers Bett.


Nein, er hörte nicht auf sein Herz, da hörte er nichts. Er hörte auf seinen Magen, sein Gedärm. Durchfall etwa, Verstopfung oder Sodbrennen – das waren klare Ansagen, damit ließ sich was anfangen.


Er ist ein zurückhaltender, schweigsamer Mensch, möchte er doch nichts sagen, was er nicht auch denkt. Und von Jahr zu Jahr wird er schweigsamer, zurückhaltender, erträgt er auch das Getue und Gerede der Leute immer schlechter, diese Selbstverständlichkeit der Falschheit.


Und dabei war sie nicht mal verlogen, nur falsch. So durch und durch falsch, dass sie aufs bewusste, plumpe Lügen überhaupt nicht angewiesen war.


Er betonte sie nicht, brachte seine guten Taten aber immer mal wieder gern in Nebensätzen unter. Und auch sonst war er ein recht schmieriger Typ.


Kam er von der Arbeit, erwarteten ihn keine Kinder, keine Frau. Dafür ein paar Bier im Kühlschrank. Er war nicht glücklich darüber. Aber auch nicht unglücklich. Er hatte längst aufgehört, darüber nachzudenken. Aber das ewig zwieträchtige Eheleben seiner Eltern immer noch vor Augen.


Schicksalsergeben und kleinlaut sitzt er in der Damenabteilung in einem der Clubsessel bei einem Glas Wasser und wartet darauf, dass seine Frau ihren Einkauf beendet. Es sitzen noch zwei Männer dort, genau wie er, einer sogar mit Vollbart und tätowiertem Nacken.