Sonntag, 5. Juli 2026

 Dröge Bürotage, schon mit Blick auf die bei ihm zu dieser Zeit jedes Jahr anstehende 14-tägige Pauschalreise – mit seiner schnippischen Frau. Und seinen neuen C&A-Bermudashorts.


Trägheit schwebte ihm vor, Gelassenheit. Den Stress hatte er jedenfalls satt, gerade den selbst gemachten, diese Ungeduld und Hektik in einem drin. Er hoffte da auf sein Alter; wenn im Alter schon alles beschissener wird, so könnte es ja zumindest das mal für ihn tun.


In seiner Kindheit waren die Sommer endlos, es war Magie, Lebenslust. Nun, die Magie ist weg, der Sommer nichts als eine jahreszeitliche Gegebenheit. Und die Lebenslust hat er eingetauscht gegen eine Arbeitswut. Weil man ja sehen muss, wo man bleibt, weil es sich rechnet.


Das Leben hatte nach und nach einen Ekel aus ihm gemacht, einen verständnislosen Arsch, der sich mit den Leuten anlegt. Und es war das Leben, das er genau so gewollt hatte, das er sich mühevoll erarbeitet hatte.


Der Tausch der Unseligkeit des Habenwollens gegen das Glück des Verzichtenkönnens war dann nicht mal 'ne große Sache gewesen, er hatte einfach nur erstmal darauf kommen müssen.


Ein Vergnügen ausgerechnet in einem Vergnügungspark suchen – auf einem Rummelplatz; umringt von zum Vergnügen entschlossenen Menschen.


Angesichts so mancher Boshaftigkeit hoffte er dann auf so etwas wie ein Karma; glaubte aber ja eher an eine allumfassende Gleichgültigkeit. Das mit dem Karma war zu naheliegend, zu menschlich. Längst hatte er sich im Grunde auch schon mit der Gleichgültigkeit arrangiert.


Sein Denken an den Tod ist angstbesetzt, nie ist es ihm in den Sinn gekommen, den Tod als Selbstverständlichkeit und Erlösung zu betrachten. Auch nie hat er sein Restleben mal vom Ende her bedacht. Gestern ist er 80 geworden und seit nun 20 Jahren hat er Schiss, nur noch Schiss, rennt er von Arzt zu Arzt.