Samstag, 4. August 2018

Das rasch fortschreitende Ergrauen seiner Haare beobachtete Herr W. mit Interesse, bisweilen sogar mit Wohlwollen. War es doch zumindest eine sichtbare Veränderung seines ansonsten völlig festgefahrenen, monotonen Lebens; gar eine sich im Farbschwund manifestierende Erlösung?
Als Frau R. erfuhr, dass ihr 35jähriger, privat und beruflich gescheiterter, psychisch labiler Sohn wieder zu ihnen in sein altes Kinderzimmer ziehen wird, war sie in großer Sorge und konnte kaum mehr schlafen, da sie partout nicht wusste, was sie den Nachbarn erzählen sollte.
Der beliebte Abteilungsleiter arbeitete nach dem Prinzip "Erfolg durch Unterlassen". Dass er es aber bei seinem Renteneintritt unterließ, das übliche Frühstück zu spendieren, beschädigte sein hohes Ansehen bei der Belegschaft zu guter Letzt doch noch erheblich.
Als die 72jährige Marga G. in der Fußgängerzone wieder mal von aufdringlichen Spendeneintreibern belästigt wurde, belegte sie kurzentschlossen einen EDV-Kurs und kaufte sich einen PC. Sie war begeistert von den Einkaufsmöglichkeiten und der Warenvielfalt im Internet.
Da der "Gangsta Rap"-Fan Lucas C. aus einem gutbürgerlichen Milieu stammt, kann er sich glücklich schätzen, dass sich seine Eltern seinen doch recht kostspieligen Kleidungsstil leisten können.
Um zu bekommen, was dir zusteht und sogar noch einiges mehr, musst du nur fordernd genug auftreten, war das Lebensmotto der reich geborenen und nie erwerbstätigen Clara Z. Sie kam damit hervorragend zurecht.
Als der stets schwarz gekleidete Emo-Gothic-Grufti Tim G. erfuhr, dass bereits in den 70er Jahren ausgerechnet ein Vertreter der von ihm verachteten Countrymusik sich als "Man In Black" inszenierte, interessierte ihn das nicht.
Der Krieg hatte ihn wortkarg gemacht und er hatte die Angewohnheit, gegen Dinge zu treten, um zu prüfen, ob sie in Ordnung sind. Als er eines Tages seine Frau leblos auf dem Küchenboden fand, fiel ihm in seiner Hilflosigkeit nichts anderes ein, als sie mit dem Fuß anzustupsen.
Ilse E. hätte nur zu gern gewusst, warum der zerlumpte junge Mann mit der unmöglichen Frisur einen Appell zum Geschlechtsverkehr mit Nazis auf der Jacke stehen hatte. Sie schämte sich allerdings zu fragen.
Pubertäre Kraftmeierei allerorten. Auch in der Sprache, mit der alles anfängt.
Was heutzutage noch von einem Menschenleben bleibt? - Na, bestellen wir erstmal 'nen Müllcontainer und dann schau'mer mal, was sich noch verkaufen lässt.
Der wieder mal zur Abstinenz entschlossene, da fürchterlich verkaterte Herr L. wollte gerade den restlichen Alkohol theatralisch in den Ausguss schütten. Doch angesichts dieses billigen Klischees entschied er sich, seine Abstinenz noch um ein paar Tage zu verschieben.

Sonntag, 22. Juli 2018

Da er früh die Schule abbrach und nie sein pubertäres Gemüt überwand, empfand er im Alter auch keine Scham für die brachial anzüglichen Tattoos aus seiner Jugendzeit. Überhaupt habe er ein "geiles" Leben geführt.