Sonntag, 14. Juni 2026

 Und immer dieser Drang dazuzugehören, mitzumachen, Teil der Mehrheit zu sein, mitzuschwimmen in der Masse – das war doch furchtbar, er verstand das nicht. Er zog es ja vor, in Ruhe ein Bier zu trinken. Das war doch das beste überhaupt: in Ruhe ein Bier zu trinken, oder zwei.


Er ist voller Wut und auch Hass, unterstellt anderen seine Denkweise, seine Gefühle, sieht sich bei jeder Kleinigkeit provoziert und bedroht. Eine wirklich unangenehme Art zu leben hat er sich da ausgesucht. Oder andrehen lassen. Gut, letztlich muss er es ja selber wissen.


Wie oft hatte er in seinem Leben nun schon freundlich gelächelt und gedacht: "Du dumme Sau", "Du blöde Kuh"! – Gerade bei der Arbeit, da war das doch sein täglich Brot, sein Mindset. Und ja auch seine sympathischen Lachfalten, die waren schließlich nicht vom Himmel gefallen.


Er äußerte und verhielt sich entweder plumpvertraulich oder aggressiv bedrohlich, genoss es, wenn er jemanden einschüchterte, spürte permanent den Helden in sich. Bei der Arbeit allerdings, da war er recht handzahm, unauffällig – da stand fest, was er zu tun hatte und was er war.


Irgendwann hatte er dann das unumstößliche Gefühl, dass nun alles so in seinem Leben verlief, wie es für ihn vorgesehen war. Dass er im Grunde genau das erhielt, was ihm zugedacht war – und ihm zustand. Und das warf verflixt noch eins kein schmeichelhaftes Licht auf ihn.


Beseelt von kindischem Habenwollen; zeitlebens ein Kind.


Er ging Konflikten nicht aus dem Weg, aber nie wurde er dabei laut oder gar aggressiv. Er hatte das von seinem Vater gelernt, der zeitlebens ein würdeloser Choleriker war.


Als er es endlich geschafft hatte, sich von ihr zu trennen, betrank er sich. Wochenlang betrank er sich und alles war so ruhig und friedvoll um ihn herum. Und wie er wieder nüchtern wurde, da war es immer noch so ruhig und so friedvoll und so lebte er dann glücklich und zufrieden.