Sonntag, 10. Mai 2026

 Sie redet und redet, immerzu redet sie, ohne Punkt und Komma – redet, um jedem Gespräch auszuweichen.


Ermüdet hörte er sich den Floskeloptimismus der Betriebsleitung an und nickte höflich. So lief das eben, er als einfacher Angestellter musste die Scheiße ausbaden und die mussten sie schönreden.


Er arbeitete daran, sich innerlich unabhängig von den äußeren Gegebenheiten zu machen. Unbekümmert wollte er sein, befreit, ein Stoiker, der sich abfand mit dem, was sich nicht ändern ließ – und am besten auch gleich mit dem, was sonst noch so alles war.


Kurz nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hatte, legte sie sich eine neue Frisur zu. Dann ging sie auf Diät, nahm zusehends ab und erschien immer häufiger in körperbetonender Kleidung bei der Arbeit. Da fing dann die Lästerei über sie an.


Seine Arbeit war für ihn eine reine Erwerbstätigkeit, ein notwendiges Übel, von Anfang an. Mochten andere sonst was in ihr sehen und sonst was behaupten, er ließ sich da nichts weismachen, ließ sich in nichts reinziehen, auch wenn sie's wieder und wieder versuchten.


Er konnte gut mit Worten umgehen, mit Menschen weniger. Die Menschen waren ihm zuwider oder gleichgültig – und seine Worte ausschließlich leer und manipulativ.


Als Kind hatte er das letzte Mal geplärrt und um sich getreten. Wenn ihm jetzt was nicht passte, zog er vielleicht mal ein Gesicht und schon das war ihm dann peinlich. Seine Scham gegenüber der Lebendigkeit hatte ihn im Griff, ließ nichts zu, machte ihn kleiner und kleiner.


Frustriert war er, unleidlich. Weil er Spaß haben wollte. Spaß! Mit jetzt fast 50 Jahren! Womöglich noch auf dem Rummelplatz. Nein, ihm war nicht zu helfen, da war nichts zu machen.


Billige Wegwerfmode wohin man schaut; Klamotten, Attitüden, Gesinnungen – suchen Sie sich was raus, seien Sie nicht wählerisch!


Er lebte allein, zurückgezogen, war depressiv. Seine Depression führte er auf das langjährige Alleinsein zurück und sehnte sich nach einer Beziehung. Immer öfter jedoch stellte er sich vor, er befände sich in einer glücklichen Beziehung und wäre dann immer noch depressiv.


Nun aber hatte er eine größere Freude daran, Dinge wegzuwerfen, sie zu entsorgen – ja, entsorgen war das richtige Wort – als sich neue anzuschaffen. Er war jetzt in dem Alter angekommen, sah es ein; all der Kram, das ganze Zeug: es half ja doch alles nichts.