Seine restlichen Jahre schmolzen dahin, verbrachte er in Routinen, in einem Alltag, den er sich so nie gewünscht, nie ausgesucht hatte, der sich eingeschlichen hatte, selbstverständlich wurde, gegen den er nicht mehr ankam. Der von Anfang an auf ihn gewartet hatte.
Alle zwei Tage rief er seine betagte Mutter an. Sie hatte nichts Neues zu berichten, sprach aber ohne Punkt und Komma, erzählte, bis ihre Stimme nicht mehr mitmachte. Und wenn sie dann auflegte, spürte er jedes Mal ihre unausgesprochene Bitte, er möge doch jeden Tag anrufen.
Er hatte keine Kraft mehr, keinen Nerv, kapitulierte vor den Lärmenden, den Nervensägen, den Asozialen, zog sich zurück, ließ sie machen. Sollten sie sehen, wie sie klarkommen, sollten sie sich gegenseitig das Leben schwer machen, sich belügen, sich angiften, er hatte genug.
Aufgeregt und siegessicher rannte er durchs Leben, jahrzehntelang, schnurstracks ins Nichts.
Suchtgier, Besessenheit – für den kurzen Kick, Glückssuche ins Unglück. Dass es auch hier die limitierten Sneaker schon nicht mehr in seiner Größe gab, machte ihn rasend.
Unfähig zur Höflichkeit polterte er durchs Leben, gefangen in Egozentrik, Empörung und Wut; zeitlebens ein Kind.