Sie glauben an all diesen Unfug ja nicht wirklich, sie halten sich nur dran. Ohne Halt gelänge ihnen das Leben nicht; angst und bange wäre ihnen – mehr als es ihnen ohnehin schon ist.
Er redete wieder mal von Ehre, von Loyalität. Er liebte diese beiden Wörter, fand sie bedeutsam, gewichtig, "krass", verwendete sie für seine heroische Selbsteinschätzung.
Sein Preisbewusstsein war ihm der Schlüssel zu allem, an alles klebte er ein Preisschild. Derzeit gerade an seine neue Partnerin.
Sein Leben lang hat ihn die Liebe zum Narren gehalten, ihm aufgelauert, auf ihn eingeprügelt, noch nachgetreten, wie er dann am Boden lag. Schlau hat's ihn allerdings nicht gemacht, bei vielen Filmen etwa hat er noch immer einen Kloß im Hals, es lässt ihn einfach nicht los.
Er musste arbeiten, einem Beruf nachgehen, einem standesgemäßen. Der Beruf bestimmte seinen Selbstwert, war seine Identität; und dabei hasste er ihn insgeheim. Im Alter von 64 Jahren starb er dann und in seiner Todesanzeige war der Beruf nochmal für alle zu lesen.
Diese Unternehmertypen, diese "Macher", die immer gute Laune versprühen, immer einen Spruch auf den Lippen haben, immer freundlich sind, bei allem mitmachen, überall Präsenz zeigen und Gott und die Welt kennen: Um nichts in der Welt möchte ich mit denen tauschen.
Tage vollgestopft mit hirnrissigen Verpflichtungen, größtenteils selbst eingebrockt, ja, nach und nach eingebrockt, eins führt da ja zum anderen. Und dann ist man zu bequem oder zu mutlos, um da wieder rauszukommen. Verrückt ist das und, schaut man sich mal um, völlig normal.
Er war überall willkommen. Und beliebt, das war ihm wichtig, überaus wichtig, und dafür war er dann auch schon mal unaufrichtig, vergaß er schon mal seine Selbstachtung, sein Rückgrat. Schließlich war es dann Feigheit vorm Konflikt, ein ewiges Sichwinden und Ducken.