Montag, 7. Dezember 2020

 Seit über 20 Jahren stand sie nun schon hinterm Tresen und hinter ihrem opulenten Vorbau pochte ein Herz immer noch so groß wie ein Mannschaftszelt und immer schon viel zu groß für nur den Einen.


Als Rolf O. mittags seine Sozialwohnung in seiner speckig grauen Jogginghose verließ und breitbeinig das Treppenhaus runter tänzelte, fühlte er sich wieder mal wie Rocky in Rocky(1) und solche Momente gehörten ihm, ihm ganz allein.


Sein Reflex, Komplimente eingeschüchtert zu relativieren, hielt sie nicht davon ab, ihm weitere zu machen. Sie wusste selbst, wie das ist.


Zu ihren üblichen kleinen Gehässigkeiten gesellte sich seit kurzem auch noch das böswillige Missverstehen seiner Äußerungen. Aber Kai-Uwe war da hart im Nehmen, denn er kapierte es nicht so recht.


Zeitlebens drangsalierte Georg S. andere mit seiner Boshaftigkeit und so erwachte er eines Morgens aus unruhigen Träumen verwandelt in einen seltsam verkrusteten Waschlappen neben dem 15jährgen Torben B. auf dessen Nachtschränkchen.


Irgendwann merkte Sarah S. selbst, dass ihre Empörung erst so richtig in Fahrt kam, wenn es weniger um die Sache als vielmehr um sie selbst ging. Um das zu verschleiern, kniete sie sich noch mehr rein.


Seinen imaginären Spuckschutz gegen Gift und Galle spuckende Schreihälse musste er sich lange antrainieren, aber jetzt sitzt er, wackelt und hat Luft.

Montag, 30. November 2020

 Früher wollte auch er immer der Erste und Beste sein, aber dann verlor er das Interesse an jeglicher Art von Wettkampf. Seitdem hat er sich nie wieder als Verlierer gefühlt.


In seiner Kindheit gab es die böse Hexe und dann Dracula und noch andere Untote. Jetzt sind es Nachbarn, Vorgesetzte und Arbeitskollegen. Die Kindheit war weit weniger schaurig.


Ein offenes, unbeschwertes Naturell, das eine fröhliche Stimmung verbreitet, ohne dabei oberflächlich zu sein, macht dich zum exklusiven Frauenschwarm. Aber mit Muskeln und exklusivem Sportauto steht dir ja auch immer noch die Billigvariante offen.


Obwohl sich seine persönlichen Erfahrungen beim Trinken von Bier so gar nicht mit den Bierwerbespots im Fernsehen in Einklang bringen ließen, trank er es ausgesprochen gern.


Dem Schwarzwälder Tanzbodenkönig Hannes stieg in jungen Jahren der Ruhm zu Kopfe, doch besann er sich beizeiten auf seine Bodenständigkeit und so lebte er glücklich, zufrieden und der Heimat treu. Ein tüchtig Weib gabs obendrein.


Heb' dir deine Rache grundsätzlich für später auf! Dann wird sie kalt und du verlierst hoffentlich die Lust daran.


Als er dann endlich dazu überging, alles etwas langsamer und geduldiger anzugehen, entdeckte er erst all die unscheinbaren Annehmlichkeiten überall.


Seine geduldig erarbeitete Gelassenheit bewahrte ihn nicht nur vor mancherlei Schaden, sie war vor allem all die Mühe um ihrer selbst willen wert.


Montag, 23. November 2020

 Auf der Filmhochschule sah sich Marlon M. schon als Der Deutsche Tarantino. Jetzt, mit Ende 30, bringt er für RTL2-Produktionen Hartz IV-Empfänger dazu, sich vor laufender Kamera lächerlich zu machen. Es geht ihm gut dabei, es schmeichelt seinem Ego.


Statt Tatendrang und Vergnügen empfindet Friedrich F. nur noch eine sture und mürrische Bequemlichkeit. Das habe ich mir verdient, pflegt er zu argumentieren.


Sich die Dinge schönreden ist ein schaler Betrug. Schön denken eine Kunst.


"Ja, dann ist das eben so!": Die Lieblingsfloskel der Abteilungsleiterin, wenn sie mal wieder nicht weiter wusste, wurde nach und nach zur Lieblingsfloskel der ganzen Abteilung und das Arbeiten dort zusehends angenehmer.


Die giftige Empörung war längst Teil des Spiels und fing auch schon an zu langweilen.


Als er dann den ganzen Krempel seiner Eltern erbte, wusste er wieder, warum er selbst so genügsam lebte.


Seine alten Lieblingsfilme und -sendungen schaut er am liebsten in aller Ruhe und leicht zugedröhnt mit abgestelltem Ton. So, als hielte er deprimiert Rückblick auf sein vertanes Leben.


Sein Leben ist ereignisarm und deswegen gefällt es ihm immer besser.


Wenn im Moment des Sterbens das ganze Leben wirklich nochmal an einem vorbeizieht, müssen 'ne Menge Leute bald damit rechnen, dass sie sich dabei größtenteils auf der Couch vor dem Fernseher wiederfinden. Also zumindest, wenn es authentisch und objektiv vonstatten geht.


Er war nicht unbedingt faul, eher entspannt und unambitioniert. Und er hatte was vom Leben, ohne es zu etwas gebracht zu haben.


Der brave Angestellte Sigmar R. sympathisiert im Büro heimlich mit den immer wieder störrisch verdrehten Telefonhörerkabeln.


Das Leben, das seine Eltern ihm vorgelebt haben, hat ihm nicht gepasst. Das Leben, das er dann geführt hat, war's aber irgendwie auch nicht. Immerhin hat er's niemandem vorgelebt.

Sonntag, 1. November 2020

Als Kind wollte er Drachen töten, seine Feinde zerschmettern und irgendwas mit der Prinzessin machen. Jetzt trägt er 8 Stunden täglich ein quietschbuntes Poloshirt mit dem Logo seines Arbeitgebers auf der Brust und ist zur Freundlichkeit verpflichtet.


Das Leben des Steuerfachgehilfen Manfred M. verlief unaufgeregt und verlässlich. Auf dem Weg zur Arbeit lag ein unbeschrankter Bahnübergang. Musste er bei Rot halten, wurde die Vorstellung, kurz vor dem Zug doch noch schnell loszubrettern, von Mal zu Mal drängender und erregender.


In jungen Jahren hatte er sich auf so ein ausgesprochen hübsches und ebenso dummes Ding eingelassen und musste sich dann für den Rest seines Lebens mit ihr unterhalten. Irgendwann lutschte er Minzbonbons und die Flaschen versteckte er im ganzen Haus verstreut.


Beruflich endlich Fuß gefasst konnte er sich dann all die Schallplatten kaufen, die er schon so lange haben wollte. Die überwältigenden Emotionen, die die Musik in seiner Jugend bei ihm ausgelöst hatte, aber nicht.


Gehen Schulklassen eigentlich immer noch ins Kino für pädagogisch wertvolle Filme? Wir waren damals in "Gandhi" und der Film inspirierte uns: Bereits am nächsten Tag kursierte auf dem Schulhof der Witz "Mahatma Gandhi und ma hat ma Husten".


Als das "A-TEAM" damals im deutschen Fernsehen anlief, sahen Jens und Carsten allein aus tiefsitzendem Respekt vor dem deutschen TÜV davon ab, sich affengeile Extras an ihre Autos zu schweißen.


Bereits voller Sorgen besorgte er sich noch mehr Sorgen, um endlich vom vielen Sorgenmachen erschöpft und gleichgültig seinen Frieden zu finden.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

 Der ruhige Bertram war beliebt. Immer so angenehm ausgeglichen sei er, sagten sie, und auch so ein guter Zuhörer. Dass er vom Leben und den Menschen einfach nur gelangweilt war, behielt Bertram für sich. Und müde war er, immerzu müde.


In ihrer Kaufsucht dichtete Sonja R. den Konsumartikeln immer gern eine persönliche Bedeutung an, um den Kauf zu rechtfertigen. Dieses Spielchen machte ihr Leben zusehends bedeutungslos.


Die schroffe Frage "Bist du ein Mann oder eine Memme?" war in seiner Kindheit und Jugend von spielerischer Bedeutung. Nun, im fortgeschritten Alter, angesichts seines körperlichen Abbaus gewinnt sie eine durchaus ernsthafte Relevanz.


Metallbauer Ulrich R. war Pragmatiker durch und durch. Dass er irgendwann sogar den eigenen Körper nur noch als ein Werkzeug begriff, machte ihn ganz nebenbei zum Philosophen.


Um sich selbst die Festgefahrenheit seines Lebens zu vergegenwärtigen, lässt sich Uwe W. seit Jahren jeden Morgen von "I Got You Babe" wecken. Eine Andie MacDowell ist ihm allerdings noch nie über den Weg gelaufen - dafür jede Menge Ned Ryersons.


Als er wieder mal ein vernichtendes Arbeitszeugnis über einen einjährigen, völlig abstrusen McJob in den Händen hielt, lachte er Tränen: "... war sich der arbeitsspezifischen Anforderungen durchaus bewusst und daran interessiert, seine ausbaufähigen Kenntnisse einzusetzen."


Die alltägliche Verlogenheit der Menschen machte ihn immer wütend. Als er dann aber begriff, sich mit ihr arrangieren zu müssen, mischte er recht ordentlich mit und merkte es irgendwann auch gar nicht mehr.


Bis Holger H. endlich den Dreh raushatte, mit dem die anderen erfolgreich waren, war der schon längst abgedreht. So lief es jedes Mal und Holger versuchte mit kopflosem Hinterherlaufen weiterhin sein Glück.


Als er dann Alkohol zu sich nahm, musste er feststellen, dass da nun nichts mehr war, wofür es sich zu trinken lohnt. Lothar R. war in seinem Leben definitiv an einem Punkt angelangt, den man umgangssprachlich "am Arsch" nennt.


Die narzisstische Hochglanzinszenierung von Hinz und Kunz als soziale Übereinkunft - zum Glück bin ich für so einen Unfug allein schon viel zu faul.


Ihr Outfit ist ausdrucksstärker als ihr Sprachvermögen, sie ist ein Kind ihrer Zeit und gern gesehen.


Kalorien zu reduzieren, indem man sich mit einer Süßigkeit tröstet, die einem nur so lala schmeckt, funktioniert vielleicht, wiegt den hinterhältigen Selbstbetrug aber in keinster Weise auf.


Montag, der ruppige Proll der Wochentage. Immerhin löst er den öden Snob Sonntag ab.

Montag, 28. September 2020

 Was tut man nicht alles, um überhaupt was zu tun.


Um sich seine Jugend im Alter zu bewahren, sollte man akzeptiert haben, dass sie irgendwann einfach vorbei war.


Auch die gelöste Restalkoholstimmung am Tag danach gehörte damals immer dazu.


Als der Trash noch nicht medialer Mainstream war, mussten wir ihn uns selber ironisch erschließen; da hatte er noch Spaß gemacht.


Er war kein Arsch und ließ sich durchaus gern eines Besseren belehren, aber solange seine negativ besetzten Vorurteile ihn tatsächlich vor Schaden bewahrten, hielt er lieber an ihnen fest.


Die Wahrheiten, die er in Widersprüchen fand, waren ihm immer die liebsten.

Dienstag, 15. September 2020

 Mit das Zermürbendste an dem Job war, nach all den Jahren immer noch Interesse daran heucheln zu müssen.


Gefangen in den Routinen seines Arbeitslebens verkümmerten die Tage zu Sandkörnern in einer ablaufenden Sanduhr.


Sich in Illusionen zu flüchten, fand er nun mal lebensbejahender als das nüchterne reale Leben. In dieser Hinsicht machte er sich keine Illusionen.


Lieber am Hauptbahnhof rumlungern als gar keine Sozialkontakte.


Die Wahl des Wohnortes, der Wohnungseinrichtung, der Bekleidung, sogar die der Freundschaften: Irgendwann unterlag alles nur noch rein pragmatischen Überlegungen. Es sollte funktionieren, so wie man selbst funktionierte.


Einst nur eine jugendliche Pose, hielt er viel zu lange an dieser Anti-Haltung fest, an der unheilvollen Abwertung des normalen, durchschnittlichen Lebens. Er scheiterte und manövrierte sich in die Einsamkeit.


Als sich dann die Prüderie in ihr Gegenteil verkehrte, tat man Sexualität und Erotik auch wieder keinen Gefallen.


Ein oberflächlicher Mensch an deiner Seite höhlt dich aus, ein boshafter macht dich bitter. Ein warmherzig fröhlicher rettet dir das Leben.


All die alten Freuden verblassten nach und nach, neue kamen nur spärlich auf und um sie überhaupt zu erkennen, musste er schon ganz genau hinsehen. Altwerden erfordert Achtsamkeit.


Sonntagmorgens gehe ich zum Brötchenholen nicht mehr allzu früh aus dem Haus, weil ich keinen betrunkenen Nachtschwärmern begegnen möchte. Früher war ich selbst so ein Betrunkener, zwar harmlos, aber das sah man mir durchaus nicht an.


Als dann die Zeit der Partys und Clubs für ihn endgültig vorbei war, ging die Wochenendsauferei zu Hause weiter; fatalerweise versöhnte sie ihn mit seiner Einsamkeit.


Die eigentliche berufliche Herausforderung sah er längst nicht mehr im Beruf, sondern im täglichen Ertragen des Arbeitsumfelds: eine achtstündige Übung in Resilienz, die er sich zunutze machte.


Seine Kontrollwut führte ihn schnurstracks in den Kontrollverlust.


Hysterisch heulende Kinder, die ihren Willen nicht bekommen, sieht er als Erwachsene vor sich, die sich lediglich äußerlich weniger anmerken lassen.


Lange, viel zu lange dachte er drüber nach, bis er endlich "ach Scheiße" dachte und eine imaginäre Spülung drückte.


Elitäre Kulturschaffende, die ihre Wichtigkeit betonen, sich vernetzen und sich miteinander selbst feiern: Herr L. hatte irgendwann genug davon und stieg aus und fand seinen Frieden bei ehrlicher Hausmannskost und gut gemachter Unterhaltung.

Sonntag, 23. August 2020

 Sein ständiges Selbstmitleid verpestete sein Umfeld wie Arschritzenmuffigkeit eine Unterhose.


Er strotzte nur so vor Gesundheit, gutem Aussehen und Selbstvertrauen und er prahlte immer gern mit seinen Frauengeschichten und seiner Karriereplanung. Keiner weiß, was aus ihm geworden ist, niemand mochte ihn.


Bei ihr konnte er frei drauflosreden, bis er sich plötzlich selbst reden hörte, sich selbst zuhörte und dann über sich selbst erstaunt war. Endlich kam er mal wieder voran.


Ein sattes Bankkonto oder so ein Klumpen Gold hat seinen Wert, keine Frage. Selbstbestimmt auf Toilette gehen zu können aber einen erheblich größeren. In diesem Bewusstsein gehe ich jetzt auf Toilette.


Dass es ihm wichtig war, sein Anderssein durch eine auffällige Garderobe zum Ausdruck zu bringen, war wiederum ein Ausdruck seiner Gewöhnlichkeit.


Als Ulrich R. seine erste Kneipe eröffnete, gab er ihr den programmatischen Namen "Der stille Zecher". Genervt stellte er schnell fest, dass die wenigsten Gäste gewillt waren, sich daran zu halten.


Er war ein dirty old Junggeselle: Sein Alleinsein betrübte ihn und seine Freiheiten amüsierten ihn.


trinken, rumsitzen - passt


In meiner Kindheit war der Samstag Badetag und im Fernsehen lief Enterprise und ausnahmsweise gabs Cola zu trinken und wir durften länger aufbleiben und gruselten uns dann noch im Schlafanzug bei einem Horrorfilm aus der »Hammer«-Schmiede. Samstag war der beste Tag der Woche.
Am Sonntag standen langweilige Familienausflüge an. Wir mussten unsere unbequemen guten Anziehsachen anziehen und Mutti war stark parfümiert und Papi gelangweilt oder genervt. Und die Schule am Montagmorgen wartete schon. Der Sonntag war damals schon scheiße.


Ein paar Tage lang war ich ausgeglichener und besser gelaunt als sonst, ohne zu wissen warum. Jetzt, wo er wieder da ist, begreife ich erst, dass der Brüllaffe in der Wohnung nebenan wohl ein paar Tage weg war.

Montag, 8. Juni 2020

Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo so ein Depp mit seinen Ratschlägen her.

Montag, 1. Juni 2020

Diesmal spielte ihm die pandemiebedingte Kontaktbeschränkung in die Karten. Innerlich laut lachend drückte Gerhard H. sein tiefes Bedauern aus über das in diesem Jahr nicht stattfinden könnende große Familientreffen.


Jeden Sonntagmorgen macht die 86jährige Ines S. in ihrer Sonntagsgarderobe ihren Sonntagsspaziergang durch ihr Viertel. Auch wenn sie dabei seit einiger Zeit einer stetig wachsenden Menge an penetrant betrunkenen Tunichtguten ausweichen muss. - Ines, bitte halten Sie durch!


Er liebte die Ruhe und kostete sie vollends aus. Sogar noch die unmittelbar vor dem Sturm.


Der arrogant wirkende Ludwig H. streift das gewöhnliche Leben der anderen gelegentlich bei seinen Spaziergängen. Ansonsten sitzt er allein und ratlos in seiner 1½-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung, gefangen in seiner Schüchternheit.


Ihr Verständnis von Freiheit führte sie in die Vulgarität.

Sonntag, 17. Mai 2020

Wenn Sie tatsächlich einmal mit einer Vermutung Recht behalten, zögern Sie nicht, es jedem mitzuteilen! Auch mehrfach! Jeder wird äußerst beeindruckt sein von Ihrer kombinatorischen Weitsicht und intellektuellen Überlegenheit und Sie lieben und verehren.


Den missmutigen und ausgesprochen unhöflichen Vorwurf "Als ob ich gerade nichts anderes zu tun hätte!" bekommt er seiner Erfahrung nach meistens von jemandem zu hören, der tatsächlich gerade nichts anderes zu tun hat.


Den missmutigen Vorwurf "Als ob ich gerade nichts anderes zu tun hätte!" bekommt er verständlicherweise meistens von jemandem zu hören, der tatsächlich gerade nichts anderes zu tun hat und das einfach mal genießen möchte.


Entsetzt stellte er fest, wie dumm und stumpfsinnig ihn der Alkohol gestern wieder mal gemacht hat. Eine Arbeitswoche später wollte er nur noch, dass der Alkohol ihn jetzt so dumm und stumpfsinnig wie möglich macht.


"Bier bewusst genießen" stand da auf den Bierdosen. Und so genoss er es dann, bis er bewusstlos wurde.


Gerät er wieder mal in ein Gedankenkarussell, visualisiert er es zu seiner letzten realen Karussellfahrt, bei der ihm speiübel wurde. Der schnelle und entschlossene Ausstieg ist dann ein Klacks.


Wenn er seine betagten Eltern besuchte und sich dort für ein paar Tage in seinem alten Kinderzimmer einquartierte, machte ihn das während dieser Zeit impotent. - Nun ja, "während dieser Zeit potent" hätte ihn weitaus mehr beunruhigt.

Sonntag, 10. Mai 2020

Als Holger 'Holgi' R. die humorvollen Worte "Holgi, der Waldfeenrich!" völlig zusammenhangslos in die Runde krakeelte, sorgte er im "Königs Eck" für eine ausgelassene Stimmung. Sogar noch nach dem 18. Mal.


Eine schöne heiße Dusche ist für Langzeitsingle Sören N. die sinnliche Streicheleinheit schlechthin. Ab und an bereitet er sich auch eine Wechseldusche, wenn er mal das Dramatische vermisst.


Aufgewachsen in einem kleinbürgerlich intoleranten Milieu fernab von Kunst und Kultur entdeckte er die Welt der Bücher als eine geheime Zuflucht, nur für sich allein. Bis heute redet er nicht gern über Bücher oder Literatur.


Auf seiner langen, verworrenen Suche nach dem inneren Frieden kam er ihm dann am nächsten, wenn er sich mal erschöpft 'ne Pause gönnte.


Ein voluminöser, aber zugleich sanfter Furz umschmeichelte die Poperze von Dr. Dietmar von Häckelöder. Triviale Biochemie, aber dennoch: durchaus angenehm und bemerkenswert.


Das Wort Zufriedenheit fragt an, ob es vielleicht mal wieder einen etwas höheren Stellenwert erhalten könnte. Natürlich nur, wenn es nicht allzu viele Umstände macht.

Sonntag, 3. Mai 2020

Jens-Uwe W. läuft derzeit 4,73 Meter von seinem Bett zu seiner Toilette und er fragt sich, wie viel Meter er wohl laufen müsste, wenn er im Lotto gewinnt und sich dann so eine handelsübliche Villa kauft.


Dass Ulf L. mit seiner morgendlichen Darmentleerung wartete, bis er sich bei der Arbeit befand, um die dabei entstehenden Abwasserkosten der Firma aufzubürden und sich dafür sogar noch bezahlen zu lassen, war ja nur ein Beispiel seiner spitzbübischen Eskapaden.


Als er dann endlich alles erreicht hatte, was er immer wollte, wusste er nicht weiter, stand quasi vor dem Nichts. Also drehte er sich um, setzte sich und genoss bei einem guten Wein die Rückschau. Und vielleicht fiel ihm ja sogar noch was ein.


Marcel L. ist einer dieser äußerst gut aussehenden Männer mit einer überraschend weniger gut aussehenden und irgendwie ständig genervten Frau an seiner Seite. Sein Mangel an Reife und Selbstvertrauen macht es ihr auch wirklich nicht leicht.


Die nervöse und penetrante Umtriebigkeit seiner Frau löste bei Helmut 'Hat-Die-Ruhe-Weg' Schneider schließlich eine tief sitzende, irreparable Untriebigkeit aus.


Als "Friedensstifter/in" ein anerkannter Ausbildungsberuf wurde und Sandro O. voller Enthusiasmus und Ideale die Ausbildung begann, landete er schnell auf dem Boden der Realität, als er gleich zu Anfang lernen musste, dass es tatsächlich verschiedene Auffassungen von Frieden gab.


Die offene, rücksichtslose Launenhaftigkeit seiner Bürokollegin zu ertragen, betrachtete Hans-Dieter D. als gutes Training für das, was ihn in aller Regel auch zu Hause erwartete.


Sein Wohnungsnachbar war laut, vulgär und rücksichtslos. Als er ihn das erste Mal sah, bestätigte das äußere Erscheinungsbild den bislang rein akustisch hinterlassenen Eindruck: der Gang breitbeinig und betont lässig, das Gesicht verquollen und argwöhnisch.


Nicht nur Menschen, auch Bücher sind bisweilen schwatzhaft, aber die lassen sich zumindest vorblättern oder auch, wenn's ganz schlimm wird, weglegen.